{"id":941,"date":"2022-04-12T07:46:46","date_gmt":"2022-04-12T07:46:46","guid":{"rendered":"https:\/\/birgitgraschopf.com\/?page_id=941"},"modified":"2022-06-01T08:40:54","modified_gmt":"2022-06-01T08:40:54","slug":"space-shift","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/birgitgraschopf.com\/index.php\/space-shift\/","title":{"rendered":"Space Shift"},"content":{"rendered":"\n<p><em><strong>Auszug aus Andreas Spiegl&#8217;s Text: &#8222;Die Wand als Bild&#8220;<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/01_SpaceShift-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-943\" srcset=\"https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/01_SpaceShift-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/01_SpaceShift-300x200.jpeg 300w, https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/01_SpaceShift-768x512.jpeg 768w, https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/01_SpaceShift-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/01_SpaceShift-2048x1365.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Die \u201eWandbelichtungen\u201c von Birgit Graschopf basieren technisch auf einem Verfahren, bei dem die K\u00fcnstlerin eine lichtsensible fotografische Emulsion auf eine Wand auftr\u00e4gt und dann mit einer Bildprojektion belichtet, um das entsprechende Bild direkt an der Wand zu entwickeln. Auf diese Weise werden die W\u00e4nde zu Bildtr\u00e4gern und die Bilder erscheinen als r\u00e4umliche Setzungen&nbsp;\u2013 sie wachsen \u00fcber ihre Zweidimensionalit\u00e4t hinaus, um den dreidimensionalen Raum seinerseits mit den Koordinaten eines illusionistischen Bildes zu verbinden. Die dimensionale Differenz zwischen Bild und Raum scheint sich zugunsten eines dialogischen \u00dcbergangs vom einen zum anderen aufzul\u00f6sen und dem Versprechen vom Bildraum eine buchst\u00e4bliche Form abzugewinnen:<br>Zu schwinden scheint die Grenze, die beide voneinander trennt, um die Dimension des illusionistischen Bildes schon in der Begrenzung des Raums zu erkennen, und im Bild die R\u00e4umlichkeit f\u00fcrs Vorstellbare. Die illusionistische Dimension der Wandbelichtungen rei\u00dft L\u00f6cher in die Wand, dringt durch deren opakes Geviert, um sich \u00fcber Sichtgrenzen hinwegzusetzen, den Raum des Bildlichen da beginnen zu lassen, wo die Raumgrenzen enden. Um als Bild zu erscheinen, bedient sich dieses der Wand, die es zugleich einrei\u00dft: Technisch ist es in dieser Hinsicht dem Parasit\u00e4ren so verwandt wie historisch dem Trompe l\u2019\u0153il.<br>Beiden Figuren verbunden ist die Arbeit Space Shift von 2010, <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/performance.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-944\" width=\"580\" height=\"386\"\/><figcaption>Performance &#8211; vor Publikum wird die Fotografie an der Wand bei Rotlicht entwickelt, welche zuvor schon auf dieselbe belichtet wurde. Das Bild taucht innerhalb von Sekunden aus der wei\u00dfen Wand auf.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/02_SpaceShift-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-946\" srcset=\"https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/02_SpaceShift-1024x683.jpeg 1024w, https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/02_SpaceShift-300x200.jpeg 300w, https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/02_SpaceShift-768x512.jpeg 768w, https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/02_SpaceShift-1536x1024.jpeg 1536w, https:\/\/birgitgraschopf.com\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/02_SpaceShift-2048x1365.jpeg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Ein Jahr sp\u00e4ter, im Mai 2011, wird das leerstehende Geb\u00e4ude, indem die Fotoperformance stattfand, abgerissen. Durch den Abriss der Hausfassade ist die Wandbelichtung f\u00fcr kurze Zeit von der Stra\u00dfe aus sichtbar.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>bei der die K\u00fcnstlerin aus einer Wand zwischen zwei R\u00e4umen ein rechteckiges Feld herausgeschnitten hat, um einen Blick in den benachbarten Raum zu erm\u00f6glichen und diesen wiederum mit einem weiteren Ausblick auf eine illusionierte Landschaft ein zweites Mal zu durchbrechen und bildhaft zu erweitern. Im Geviert der Leerstelle verwandelt sich die Wand zum Bildrahmen, der den angrenzenden Raum dahinter wie ein Wandbild umf\u00e4ngt: Wo vordem eine Mauer war, erhebt sich aus der Leerstelle der Eindruck eines Bildraums, der den Raum dahinter zum Raumbild erkl\u00e4rt. Auf diese Weise unterstellt die K\u00fcnstlerin den manifesten, dreidimensionalen Raum den Koordinaten des Bildes, das sich jenen illusionistisch einverleibt. Vorstellungen von Bild und Raum kippen vexierbildhaft hin und her, gehen unvermeidlich ineinander \u00fcber, spiegeln sich nicht unweit von dem Schritt, den Lewis Carrolls Alice durch den Spiegel macht, um den Bildraum jenseits von Raum- und Bildgrenzen zu betreten. Nur ist es hier nicht die Phantasie, der Raum gegeben wird, sondern es ist der Raum selbst, der sich gleich einer Phantasmagorie aus seiner dreidimensionalen Haut sch\u00e4lt, um als Bild wahrnehmbar zu werden. Unter den Koordinaten des Bildes vermittelt sich der betretbare Boden nur als Metapher f\u00fcrs Doppelb\u00f6dige, f\u00fcrs Zwiefache und Zwief\u00e4ltige, das sich aus dem \u201eDurchblick\u201c erhebt. Bild und Raum kreisen um ihre Zwiesp\u00e4ltigkeit als ihren gemeinsamen Nenner. An der n\u00e4chsten Wand, an der n\u00e4chsten Grenze des Manifesten erscheint dann die Wandbelichtung, das Bild, das eine Person zeigt, die in der Pose eines Betrachters oder Beobachters an einem Gel\u00e4nder lehnt, um \u00fcber eine Landschaft zu blicken. Die Rolle, die man beim Besuch der Ausstellung \u00fcbernimmt, wiederholt sich doppelg\u00e4ngerisch im Bild, auf das man blickt. Ganz nah vernimmt man die Redewendung vom \u201esich beim Beobachten beobachtenden Beobachter\u201c, in der Spiegelung und Wiederkehr der eigenen Wahrnehmungsbedingungen. Das Bild nimmt das Betrachten eines Bildes schon vorweg, eilt dem Betrachten als Doppelg\u00e4nger voraus. Das Doppelb\u00f6dige und der Doppelg\u00e4nger gehen ineinander \u00fcber, das Bild wiederholt, wie es gesehen wird, es h\u00e4lt danach Ausschau, wie ihm zugesehen wird, \u00f6ffnet den Blick f\u00fcr das Paradigmatische im Sehen. Diesmal wird die Wand mit den illusionistischen Mitteln des fotografischen Verfahrens eingerissen, sie \u00f6ffnet sich dem Panorama des Illusionistischen. Der bildhafte Ausblick durch die Wand wiederholt die \u00d6ffnung der gegen\u00fcberliegenden Leerstelle, gibt vor, die Wand ein zweites Mal einzurei\u00dfen. Parasit\u00e4r n\u00e4hrt sich das Bild von der Wand, die es durchbricht. In diesem Durchbruch gibt sich das Analogon zu erkennen\u00a0\u2013 das analoge Verh\u00e4ltnis, das er zum Wanddurchbruch gegen\u00fcber unterh\u00e4lt. Der Hinweis auf das analoge fotografische Verfahren, das die K\u00fcnstlerin f\u00fcr ihre Wandbelichtungen heranzieht, soll hier gen\u00fcgen, um auf die Analogiekette zu deuten, die Raum, Bild und Fotografie hier aneinander fesselt. Der Riss, der Durchbruch durchbricht hier dimensionale Grenzen genauso wie mediale. Die analoge Fotografie zerrei\u00dft die Fesseln, die das mediale Format nahelegt, die Vorstellung von einem Bild auf Papier. Mit diesem Verfahren wachsen die Fotografien \u00fcber die Vorstellungen von \u201eFotos\u201c hinaus, sie l\u00f6sen sich vom Bild, um den Raum, in dem sonst Bilder gezeigt werden, selbst zum Raumbild werden zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auszug aus Andreas Spiegl&#8217;s Text: &#8222;Die Wand als Bild&#8220; Die \u201eWandbelichtungen\u201c von Birgit Graschopf basieren technisch auf einem Verfahren, bei dem die K\u00fcnstlerin eine lichtsensible&#8230;<\/p>\n<div class=\"more-link-wrapper\"><a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/birgitgraschopf.com\/index.php\/space-shift\/\">Continue Reading<span class=\"screen-reader-text\">Space Shift<\/span><\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false,"footnotes":""},"class_list":["post-941","page","type-page","status-publish","hentry","entry"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/birgitgraschopf.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/941","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/birgitgraschopf.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/birgitgraschopf.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/birgitgraschopf.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/birgitgraschopf.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=941"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/birgitgraschopf.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/941\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1016,"href":"https:\/\/birgitgraschopf.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/941\/revisions\/1016"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/birgitgraschopf.com\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=941"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}