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The Nocturne of Alicante

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ca. 50 Fotografien auf Schleifpapier, 24 x 29 cm jeweils, 2018

Die Fotoserie The Nocturne of Alicante ist teil des Werkzyklus’ Geister und dem klassischen Thema des „Nachtstücks“ gewidmet, welches sich besonders in der Renaissance und der Romantik großer Beliebtheit erfreute, wobei dieses nun neu interpretiert und um den Aspekt des performativen erweitert wird. Es handelt sich dabei um Langzeitbelichtungen bei Nacht, in denen sich die Künstlerin selbst inszeniert mit Belichtungszeiten von 5 Minuten bis zu 5 Stunden. 

Den Winter 2017/18 verbrachte Graschopf mehrere Wochen in Alicante / Spanien und der Umgebung an der Küste. Diese ist in den Sommermonaten sehr belebt und zieht viele Besucher an, während sie in der Winterzeit, in der diese Arbeiten entstanden sind, verlassen wird. Leergefegte Gassen, weitläufige Promenaden und Strände, eine Plakatwand, die noch die Ereignisse des vergangenen Sommers in Form von zerrissenen Postern ankündigt, machen die Abwesenheit sichtbar, die Spuren der Hochsaison sind in jedem der Bilder präsent. Der verlassene Ferienort im Winter ist Sinnbild und kongruentes Setting für Graschopf’s Fotografien. Denn die transparent erscheinende, geisterhafte Figur im Bild wirkt wie ausgelöscht oder verwischt, ist einmal mehr, einmal weniger fassbar. in einem Wechselspiel zwischen Sichtbarem und Nicht-Sichtbarem und der Gleichzeitigkeit von An- und Abwesenheit des Bildgegenstandes bewegen sich Graschopf’s nächtliche Inszenierungen. Unvermeidbare Bewegungen des Körpers während der langen Belichtungszeiten stören den Prozess der fotografischen Einschreibung und führen zu Unschärfe und einer Art „Durchsichtigkeit“ der Figuren. Diese „geisterhaften Spuren“ veranschaulichen auf eindringliche Weise den in der Fotografie stattfindenden Prozess der Einschreibung, wie ihn der Begriff selbst verdeutlicht – Photo-Graphie, das Schreiben mit Licht. Durch die Belichtung auf dem opaken Material Schleifpapier wird dieser Effekt an der Bildoberfläche noch verdichtet und führt zu unerwarteten Ergebnissen. Die von Roland Barthes beschriebene „geisterhafte Präsenz“ wird hier buchstäblich zum Bildmotiv.

Georgia Holz (freie Kuratorin in Wien)